Geschichte der Cigarre
Die Cigarren haben die Götter erfunden, um sich selbst den besonderen Genuss am Tabakgeschmack zu schenken. Immer, wenn es blitzt und donnert, schlagen die Götter Feuer, um sich eine Cigarre anzuzünden.“Maya-Überlieferung
Der Ursprung
Wer die erste Cigarre geraucht hat und wo, ist ungewiss. Wie viele andere kulturelle Traditionen hatte ihre ursprüngliche Verwendung mit Gewissheit kultisch-religiösen Charakter. Der duftende, belebende Tabakrauch steigt zum Himmel auf – eine der wenigen damaligen Möglichkeiten, mit den dort wohnenden Göttern direkt in Verbindung zu treten – und transportierte die Wünsche und Bitten der Rauchenden. Die anregende Wirkung dürfte den Priestern und Schamanen geholfen haben, sich in die nötige Stimmung für ihre religiösen Riten zu versetzen.
Während die Azteken Schilfrohre zum Tabakgenuss verwendeten und diese Rauchrollen als „Acayetl“ bezeichneten, nannten die Mayas ihre cigarrenähnlichen Tabakrollen „Ciquar“, was soviel wie „etwas Brennbares, das gut riecht“ bedeutet. Ein Steinrelief in einem Mayatempel in Mexiko ist wohl die älteste Darstellung eines Cigarrenrauchers und weist auf die Wichtigkeit dieses Brauches bei jenem Volk hin.
Die Entdeckung
Als Christoph Kolumbus 1492 auf seiner Suche nach einer Passage nach Indien und China auf den amerikanischen Kontinent stieß, landeten er und seine Mannen zuerst auf der Insel San Salvador (Bahamas). Sie entdeckten dort Unglaubliches:
„Männer und Frauen trugen kleine glimmende Feuer in der Hand, die von wohlriechendem Kraut herrührten. Trockene Blätter dieses Krautes waren in ein ebenfalls trockenes Blatt gerollt. Das Ganze glich einer Spielzeugtrompete. An dem einen Ende brannte die Glut, an dem anderen Ende sogen die Eingeborenen Rauch ein, wobei sie größten Genuss zu empfinden schienen. Sie nannten diese Blattrolle Tobago.“
Am 28. Oktober 1492 landete Kolumbus erstmals auf Kuba, und sechs Tage später berichteten zwei seiner Männer, der Matrose Rodrigo de Jeréz und der Sprachkundler Luis de Torres, von Schornsteinmännern, die überall wohin sie gingen ein braunes Rohr mit sich trugen, das an einem Ende brannte. Dabei handelte es sich um Indianer der Taino, eines Stammes, dessen Vorfahren als die Ureinwohner Kubas gelten. Sie versicherten den Spaniern, dass sie durch den Genuss ihrer Tabakrollen, welche sie „Cohiba“ nannten, niemals Erschöpfung spürten.
Erste Verbreitung
Als jener Rodrigo de Jeréz es später wagte, eine der Urcigarren in seiner Heimat in der Öffentlichkeit zu rauchen, wurde er prompt das erste Opfer dieser neuen Leidenschaft: Seine Landsleute glaubten, der Leibhaftige blase Ingredienzen aus höllischer Tiefe in die Luft. Der Unglückliche musste für Jahre ins Gefängnis. Trotz dieser Begebenheit fanden immer mehr Menschen Gefallen an dieser neuen Art des Genusses. Die durch die Männer Kolumbus‘ und deren Nachfolger mitgebrachten Mengen reichten schon bald nicht mehr aus, um die Nachfrage zu befriedigen. Spanier und Portugiesen brachten Tabaksamen aus den neuen Kolonien mit. Sie galten zunächst als botanische Rarität, als Zier- und Heilpflanze.
- 1556 brachte der Franziskaner André Thevet Tabak nach Frankreich mit.
- Der Leibarzt Philipp des Zweiten lobte 1559 den Tabak als Heilmittel gegen alle Arten von Krankheiten. Der Botaniker Jean Nicot war nach verschiedenen Versuchen ebenfalls von der Heilkraft der Pflanze überzeugt und brachte sie an den französischen Hof. Ihm zu Ehren nannte man die Pflanze Nicotiana, woher sich auch das Wort Nikotin ableitet.
- Ab 1531 begann der systematische Tabakanbau in der Dominikanischen Republik, aber erst 1541 gelang es dem Spanier Demetrio Pela, die Cigarrenherstellung von einem Aztekenhäuptling zu erlernen. Er gründete die erste Cigarrenmanufaktur in Kuba, wo ab 1580 systematischer Tabakanbau betrieben wurde.
- Sir Walter Raleigh (1552 bis 1618) machte sich als erster Engländer um den Tabak verdient. Er gründete Tabakfarmen in der Neuen Welt und verkaufte die Produkte in seiner Heimat, wozu er die ersten Smoking Parties für die gehobenen Gesellschaftsschichten veranstaltete. Es passierte ihm allerdings, dass er eines Tages während des Rauchens von seinem Diener mit Wasser überschüttet wurde, weil er ja offensichtlich Feuer gefangen hatte. Doch Sir Walter bewahrte die Haltung – selbst auf dem Weg zu seiner politisch motivierten Hinrichtung rauchte er eine Cigarre.
- 1717/1720 gründete ein anderer Spanier, der die Kunst der Cigarrenherstellung wohl in den Kolonien gelernt hatte, in Sevilla die erste europäische Cigarrenfabrik mit dem Namen „La Corona“. Dort wurde unter anderen auch der Deutsche Heinrich Schlottmann ausgebildet, der 1788 die erste Cigarrenmanufaktur in Deutschland eröffnete.
Der Erfolg
Im 19. Jahrhundert erlebte die Cigarre ihre erste große Blütezeit. 1810 wurde erstmals ein Warenzeichen für eine Cigarrenmarke eingetragen. 1818 wurde unter dem Namen „Zigari“ die erste österreichische Cigarre in der noch heute existierenden Fabrik in Fürstenfeld erzeugt und auf den Markt gebracht.
Im gesamten europäischen sowie auch im karibischen Raum, vor allem aber auf Kuba, entstand eine Anzahl von Cigarrenmanufakturen, die große Marken hervorbrachten, welche bis heute berühmt sind. Diese Longfillercigarren waren aber damals schon sehr hochpreisig und wurden damit auch zum Prestigeobjekt, das sich nur bestimmte Gesellschaftsschichten leisten konnten. Doch die Industrie schaffte Abhilfe, indem sie begann, Cigarren maschinell herzustellen. Mit der Einführung von Maschinen, die einzelne Schritte der Cigarrenherstellung wesentlich beschleunigten, konnten die ersten kostengünstigen Shortfillercigarren auf den Markt gebracht werden. Damit war der Durchbruch geschafft, auch der „Kleine Mann“ konnte sich nun seine „Zigari“ leisten, und die Cigarre boomte ein erstes Mal.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts löste die Zigarette nach und nach die Cigarre als Massenartikel ab. Sie konnte noch wesentlich preiswerter und in viel größeren Mengen erzeugt werden und wurde durch die beiden Weltkriege global bekannt. Erst als Mitte der 90er Jahre der US-amerikanische Zeitungsverleger Marvin R. Shanken eine qualitativ hochwertige Cigarrenzeitschrift, den „Cigar Aficionado“, herausbrachte, auf deren Titelseiten sich Hollywoodstars und andere Prominente aus Politik und Wirtschaft mit dicken Cigarren abbilden ließen, kam das Cigarrerauchen wieder in Mode – wohl auch als Antwort auf die immer stärker werdende Verteufelung des Zigarettenrauchens in den USA. Es wurde ein richtiger Megatrend daraus, der bald auch ganz Europa ergriff und immer noch andauert. In der Zwischenzeit gehören Qualitätscigarren auch hierzulande zum guten Ton. Ob im gemütlichen Freundeskreis, als Abschluss eines guten Essens, zur Feier eines Erfolges oder einfach zur Entspannung zwischendurch, ein Vorwand findet sich immer, unter dem sich eine gute Cigarre genießen lässt.
Der österreichische Fachhandel hat darauf rasch reagiert, und immer mehr ausgezeichnete Fachgeschäfte, viele von Ihnen haben sich im „Verband der Cigarren- und Pfeifenfachhändler Österreichs, VCPÖ“ organisiert, bieten eine große, gepflegte Cigarrenauswahl nebst Zubehör und fachmännischer Beratung an.
Für den Fall, dass Sie sich weiter über die Geschichte der Cigarre oder des Rauchens im allgemeinen informieren möchten, hält der Fachhandel auch zahlreiche gute Bücher für Sie bereit.